Filmbesuch “Hannah Ahrendt” von Margarete von Trotta und das Thema “Mittäterschaft”

hannahahrendtAm Samstag war ich im Yorck-Kino in Berlin in der Nachtvorstellung des neuen Films Hannah Ahrendt. Sehr guter Film.
Im Zusammenhang mit ihrer Berichterstattung über den Eichmannprozess in Israel beschäftigt sich Hannah Ahrendt auch mit dem Thema, dass die Judenältesten im Auftrag der Nazis wichtige organisatorische Aufgaben übernommen haben und durch ihre Effizienz erst die Vernichtung von so vielen Juden möglich gemacht haben. Ohne die effiziente Zuarbeit hätten die Nazis dies nicht geschaftt.
Für diese Position wurde Hannah Ahrendt aufs Schärfste von jüdischer Seite kritisiert.
Die im Film aufgeworfene Frage, ob man auch Opfer kritisieren und ihnen eine Mittäterschaft an den an ihnen verübten Verbrechen attestieren darf, ist eine Frage, die sich nicht nur gegenüber Juden im Zusammenhang mit dem Holocaust stellt, sondern meiner Erfahrung nach bei vielen anderen Verbrechen. Ich denke allerdings, dass eine Mittäterschaft nicht automatisch eine Mitschuld bedeutet. Zwischen beiden gibt es einen deutlichen Unterschied. Eine Mittäterschaft, die ausgeübt wird, um das eigene Leben zu retten, ist nichts, womit man glücklich sein kann. Aber es ist trotzdem der Täter, den die Schuld am Verbrechen trifft und nicht der Mittäter bzw. das Opfer.
Soll man denn noch nicht einmal über das Thema Mittäterschaft sprechen und schreiben dürfen, ohne in den Verdacht zu geraten, die Verbrechen zu verharmlosen und die Opfer ungerecht zu behandeln? Diese Forderung halte ich für absurd. Im Gegenteil, man muss sich mit einer möglichen eigenen Mittäterschaft gedanklich auseinandersetzen und im Voraus über deren Grenzen reflektieren. Über Grenzen, die sicherlich individuell fest zu legen sind.