„Die sogenannte Ohnmacht des Einzelnen ist vielleicht die gefährlichste Illusion, die ein Mensch haben kann.“

Viele Menschen empfinden Ohnmacht gegenüber den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen. Ohnmacht gegenüber der Finanzmafia, Ohnmacht gegenüber ihren Arbeitgeber/innen, Ohnmacht gegenüber der Verschandelung der Umwelt, Ohnmacht gegenüber den großen Konzernen. Dieses Ohnmachtsgefühl bedingt nur allzu oft, dass die Einzelnen gelähmt und untätig sind und ihre ganz persönliche Verantwortung negieren.

Prof. Dr. Josef Weizenbaum hat hierzu in einem Gespräch über die Verantwortung des Einzelnen gesagt: „Beifügen möchte ich noch, …dass die sogenannte Ohnmacht des Einzelnen eine Illusion ist. Vielleicht die gefährlichste Illusion, die ein Mensch überhaupt haben kann. … Gefährlich ist sie deshalb, weil sie sich erfüllen kann: Wenn man an etwas glaubt, kann das Geglaubte Wirklichkeit werden, auch wenn es nicht stimmt; man glaubt, man sei machtlos und wird dann tatsächlich machtlos.“

Frage: „Es geht Ihnen darum zu beweisen, dass der Einzelne nicht machtlos ist und dass sein Tun von großer Bedeutung für die Welt sein kann.“

Weizenbaum: „Ich will nicht behaupten, dass der Einzelne die Welt ganz und gar verändern und wieder in Ordnung bringen könne, so alleine! Aber er muss sich so verhalten, als ob alles vom ihm abhinge.“

In: Josef Weizenbaum, Kurs auf den Eisberg. Die Verantwortung des Einzelnen und die Diktatur der Technik, München 1987, S. 51, 55 – ein sehr lesenswertes Buch!

Ohnmacht ist oft eine Ausrede

Die Illusion der eigenen Ohnmacht dient allzu oft als Entschuldigung für die eigene Tatenlosigkeit, das eigene Wegschauen und möglicherweise das eigene Mitmachen.

Eine Entschuldigung, die nicht akzeptiert werden sollte. Eine Mittäterschaft und damit Mitschuld bleibt bestehen.

Wenn wir z.B. bedauern, dass die kleinteilige bäuerliche Landwirtschaft immer mehr von Großunternehmen und Massentierhaltung verdrängt wird, mit allen negativen Auswirkungen, dann dürfen wir die Produkte dieser industriellen Landwirtschaft möglichst nicht kaufen, sondern wir sollten Produkte von regionalen Kleinbetrieben bevorzugen, selbst wenn sie einige Cent mehr kosten sollten. Fleisch aus Massentierhaltung sollte tabu sein. Genauso wie Fische aus Schleppnetzfischerei. Wenn wir möchten, dass es weiterhin einen Tante Emma Laden um die Ecke gibt, dann sollten wir dort einkaufen. Und das kleine Café, das kleine Restaurant im eigenen Wohnviertel wird nur dann überleben, wenn wir dort konsumieren statt im McCafé im Zentrum. Statt des Gefühls der Ohnmacht ist es besser, das Gefühl zu haben, dass es in unserer Hand liegt, wie sich die Dinge entwickeln.