Eine Bierfahne ist kein Sportsymbol

“Eine Bierfahne ist kein Sportsymbol”

Aus meiner Zeit als Bezirksstadträtin

Als Maßnahme für die Zivilisierung des Sportbetriebs und gegen randalierende und gewalttätige Zuschauer verhängte ich ein Alkoholverbot auf Tiergartener Sportanlagen. Die Tiergartener Arbeitsgemeinschaft der Sportvereine war generell damit einverstanden, wir vereinbarten jedoch einige wenige Ausnahmen, um den Vereinen bei einigen Sportereignissen Einnahmen aus dem Bierverkauf zu ermöglichen.

Interesant ist in diesem Zusammenhang, dass die Polizei das Alkoholverbot begrüßte, der Landessportbund jedoch dagegen war, ungeachtet dessen, dass er sich offiziell für Jugendschutz und gegen Gewalt in Stadien aussprach. Die finanziellen Interessen des LSB waren wohl doch wichtiger.

Das Foto entstand beim Bouletournier in Moabit, das ich als Sportstadträtin initiiert hatte

Zeitungsberichte:

Berliner Zeitung
Archiv » 1998 » 01. April

TIERGARTEN
Ab heute Alkoholverbot beim Sport
Bei Verstößen gibt es “rote Karten” für die Vereine
Uwe Aulich

Striktes Alkoholverbot für alle Sportanlagen in Tiergarten: Ab Mittwoch gilt es für Trainingsstunden und alle Wettkämpfe. Jugend- und Sportstadträtin Elisa Rodé (Bündnis 90/Grüne) will durch die Prohibition Gewalttaten auf Sportplätzen, in Hallen und Umkleideräumen vorbeugen. “Eine Bierfahne ist kein Sportsymbol”, sagt sie. Auslöser für das in Berlin einmalige Verbot ist der Zwischenfall während der Handball-Weltmeisterschaft der Damen. In der Max-Schmeling-Halle hatte am 13. Dezember 1997 der stark alkoholisierte (2,2 Promille) Jürgen S. zwei dänische Fans mit einem Klappmesser getötet.

Ähnlich dramatische Vorfälle gab es in Tiergarten bislang nicht. “Unter Alkoholeinfluß gibt es aber häufig Übergriffe”, sagt die Stadträtin. Vor allem im Poststadion sind an Wochenenden Fußball und Alkoholkonsum untrennbar verbunden. Zuschauer schlürfen Büchsenbier, die Fußballer trinken nach dem Spiel in den Umkleidekabinen. “Das sieht aus, wie bei Kneipenvereinen”, sagt ein Platzwart. Allein am Montag mußten mehrere Plastiksäcke Müll abgefahren werden.

Der Landessportbund sieht das Alkoholverbot skeptisch und gesteht dem Versuch lediglich symbolischen Charakter zu. Es gebe Veranstaltungen wie das Sechs-Tage-Rennen, die ohne Bierausschank undenkbar seien. Die Tiergartener Sportvereine haben dem Alkoholverbot bislang noch nicht widersprochen. Hans Hoppmann, Chef der Sport-Arbeitsgemeinschaft, kritisiert aber, daß ohne Kontrollen das Verbot nichts wert sei. Denn Frau Rodé appelliert lediglich an die Vereine, selbst auf die Einhaltung des Verbots zu achten. Hält sich einer nicht daran, will sie dem Verein die “gelbe Karte zeigen”. Bei schweren Verstößen auch die “rote”. (ua.)

 

Archiv » 1999 » 04. Februar

TIERGARTEN
Senioren dürfen beim Fußball Bier trinken
Seit einem Jahr herrscht Alkoholverbot bei Sportveranstaltungen bald soll es Ausnahmen geben
Julia Haak

Seit einem Jahr gilt auf Tiergartener Sportplätzen und in den Turnhallen striktes Alkoholverbot. Es wurde damals von Sportstadträtin Elisa Rodé (Bündnis 90/Grüne) verhängt und solle auch weiterhin gelten auch wenn die Praxis gezeigt hat, daß es kaum mehr als eine Signalwirkung hat.

Anlaß für das Verbot war der Zwischenfall während der Handballweltmeisterschaft der Damen im Dezember 1997. Damals erstach ein betrunkener Mann zwei dänische Handballfans. Gegen ähnliche Vorfälle wollte Rodé vorbeugen und verbot den Vereinen, an ihre Zuschauer alkoholische Getränke auszuschenken.

Leere Bierbüchsen auf dem Platz

Zwei für große Fußballspiele geeignete Plätze hat der Bezirk das Poststadion am Lehrter Bahnhof und den Sportplatz am Neuen Ufer. Bis zu 100 Mannschaften nutzen die Spielflächen des Poststadions an einem Wochenende für Wettkämpfe. Trotz Alkoholverbots kehren die Platzwarte nach den Spielen regelmäßig leere Bierbüchsen zusammen. “Wir können verhindern, daß ausgeschenkt wird, aber nicht kontrollieren, daß keiner alkoholhaltige Getränke mitbringt”, sagt Rodé. Auch den Verkauf von Schnaps in Stadionnähe kann die Verwaltung nicht verhindern. Das seien natürlich Schwächen des Verbotes, so Rhodé. Sie will trotzdem an dem in Berlin einmaligen Verfahren festhalten. Schließlich solle deutlich gemacht werden, daß Sport und Alkohol nicht zusammengehören.

Darüber einigte sie sich mit der Sport-Arbeitsgemeinschaft des Bezirkes, die die Interessen der Vereine vertritt. “Wir haben grundsätzlich nichts gegen die Vorschrift. Es muß aber Ausnahmen vom Verbot geben und die sollten besser geregelt werden”, sagt Hans Hoppmann, Vorsitzender der Sport-AG. So hätten die Vereine auch wegen der Einnahmen großes Interesse daran, zumindest bei Turnieren Bier verkaufen zu dürfen. Eine Ausnahmegenehmigung sei etwa für das traditionelle Pfingstturnier des Vereins Minerva sinnvoll. Für welche Veranstaltungen das Verbot gelockert werden soll, will Rodé jetzt schriftlich festlegen. “Es soll nicht vom Wohlwollen gegenüber einem Verein abhängen”, sagt Rodé. Sie würde am liebsten nur den Senioren unter den Sportlern das Trinken von Alkohol auf dem Sportplatz erlauben.

Dietmar Bothe vom Landessportbund hält ein Alkoholverbot auf Sportflächen für überzogen. “Es würde reichen, das Trinken dort zu verbieten, wo es Schwierigkeiten mit Betrunkenen gibt.” Denen könne es schwer gemacht werden, sich während der Veranstaltung Getränkenachschub zu besorgen. Von der Polizei war in der Vergangenheit ein generelles Alkoholverbot für Sportveranstaltungen gefordert worden.