Richtigstellung 3 Das öffentliche Gelöbnis

3 Das öffentliche Gelöbnis

Im Oktober 1999 wurde ich auf Antrag der Tiergartener CDU Fraktion als Bezirksstadträtin abgewählt. Die “Gelöbnis-Episode” spielte dabei eine Rolle.

Nachdem zu Westberliner Zeiten der öffentliche Raum in der Stadt weitgehend entmilitarisiert war, hat die Bundesregierung nach der Wende mehr und mehr versucht, die Bundeswehr in der Öffentlichkeit zu präsentieren und damit die Akzeptanz von Militär und bundesdeutschen Kriegseinsätzen in der Bevölkerung zu befördern. So wurden u.a. öffentliche Gelöbnisse von Bundeswehrrekruten im Bendlerblock in Tiergarten durchgeführt, um damit die Bundeswehr in die Tradition der Widerstandskämpfer gegen Hitler zu setzen. Hiergegen gab es einen sehr breiten öffentlichen Protest, der sich sowohl gegen die öffentlichen Auftritte des Militärs generell als auch gegen den speziellen Ort des Gelöbnisses, den Bendlerblock, richteten und damit gegen eine unterstellte Verbindung der Bundeswehr zu der Widerstandsgruppe um Stauffenberg u.a.
Zu meiner Abwahl als Stadträtin finden Sie im Internet folgenden Artikel:

Ausgabe 09 – 1999 berliner stadtzeitung
scheinschlag

abwahl
Die Tiergartener Jugendstadträtin Elisa Rodé (B´90/Grüne) ist überraschend abgewählt worden. Die Bezirks-CDU warf ihr vor, sich während des letzten Bundeswehrgelöbnisses in einem Haus aufgehalten zu haben, aus dem ein Transparent mit dem bekannten “Mörder”-Zitat hing. Die SPD schloss sich dem Abwahlantrag an, weil Rodé aus ihrer Wohnung heraus versuchte, die laute Kirchenmusik bei der Grundsteinlegung der päpstlichen Nuntiatur mit Maria Callas-Musik zu übertönen. Zuvor schon hatte die CDU ihr vorgeworfen, sich unter falschem Namen wählen lassen zu wollen, weil ihr Nachname auf den Wahlzetteln fälschlicherweise “Rode” (ohne Akzent) geschrieben wurde. Mit ihrer Amtsführung hat die Abwahl nichts zu tun. Elisa Rodé baute unter anderem die bekannte “NoXno”-Kampagne auf.

Meine Stellungnahme: Dreimal JA

Ja, ich war in einer Wohnung, aus der die Bewohnerin Gerda F. das Transparent “Soldaten sind Mörder” heraus gehängt hatte. Sie protestierte damit friedlich gegen die zunehmende Militarisierung des öffentlichen Raumes, insbesondere das öffentliche Bundeswehrgelöbnis im Tiergartener Bendlerblock, der direkt vor ihrer Wohnung liegt. Diese Protestaktion habe ich durch meine Anwesenheit unterstützt, da die Bewohnerin mich darum gebeten hatte, da sie Angst vor Übergriffen der Polizei hatte. Hierzu stehe ich nach wie vor. Die Tiergartener CDU-Fraktion leitete daraus ab, ich sei als Vorbild für die Jugend Tiergartens und damit auch als Jugendstadträtin nicht geeignet.

Ja, ich habe mit Maria Callas Arien aus den Lautsprechern meiner Wohnungsanlage gegen den Bau der Nuntiatur des Papstes demonstriert, weil durch diesen Bau eine Grünfläche zerstört und ein Kulturdenkmal (Kirche) verschandelt wurden, obwohl es in Berlin genug andere Grundstücke für den Bau eines Botschaftsgebäudes für den Vatikan gibt. Diese Protestform erachte ich als grundgesetzkonform und friedlich.

Ja, mein Name schreibt sich mit einem accent aigu. Dies bedeutet weder eine Hochnäsigkeit (wieso auch?) noch eine Anmaßung, sondern es ist ganz einfach historisch begründet.